Ein Gedankenexperiment zum systemischen Denken

Der bekloppte Mann mit der Trillerpfeife im Mund

Stell dir vor du bist ein Außerirdischer von einem anderen Planeten und zufällig zu Besuch auf dem Planet Erde. Es ist dein allererster Besuch auf diesem Planeten und du landest wie zufällig in einem Fußballstadion mitten in einem Bundesligaspiel.

Um den Kulturschock nicht zu groß werden zu lassen, hat die Reiseleitung deines Planeten über die Welt um dich herum eine Tarnkappe gelegt. Sie schirmt dich ab und lässt nach und nach immer mehr Eindrücke durch. In der Stille und Dunkelheit wird ein Erdling in einem schwarzen Trikot sichtbar. Er rennt wild umher, pustet in eine Trillerpfeife, macht seltsame Gesten und scheint vollkommen bekloppt zu sein. Ist er vielleicht krank? Braucht er Hilfe?

Erst nach und nach wird die Tarnkappe heruntergenommen und du erkennst immer mehr: es gibt noch mehr Menschen, welche die zusehen und solche die mit dem bekloppten Mann zusammen rumlaufen, es gibt ein fest umrissenes Feld in dem das alles stattfindet und irgendwie spielt ein Ball eine entscheidende Rolle bei dem was die Erdlinge Fußball nennen. Je länger du zusiehst und je mehr Informationen auftauchen, desto mehr Sinn ergibt das Verhalten des Mannes mit der Trillerpfeife. Du verstehst vielleicht nicht jedes Detail (Tröste dich: auch viele Erdlinge haben das mit der Abseitsregel nicht verstanden), aber du erkennst Muster.

So wie du als Außerirdischer den Schiedsrichter als ‚bekloppten Mann mit der Trillerpfeife im Mund‘ wahrnimmst, nehmen wir die Menschen um uns herum wahr: das meiste, was ihr Handeln motiviert bleibt uns wie unter einer Tarnkappe vollkommen verborgen. Wir sehen Ausschnitte und können dem Verhalten aus unseren Beobachtungen heraus keinen Sinn zuordnen.

Der systemische Blick auf die Welt geht aber genau davon aus: Jedes Verhalten ergibt Sinn. Um diesen Sinn zu erkennen müssen wir jedoch den Kontext besser kennen, das Spiel und seine Regeln in denen sich die Erdlinge, die uns täglich begegnen, bewegen.

Übrigens: Den ‚bekloppten Mann mit der Trillerpfeife im Mund' hat mir meine geschätzte Ausbilderin Regina Kipp vorgestellt.

 

Photocredit: Nathan Rogers

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