Ein kurzer Einblick in systemisches Denken

Was bedeutet eigentlich systemisch?

Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie.
Kurt Lewin

 

Der systemische Ansatz ist für mich genau das: eine gute Theorie. Sie ist ein nützliches Werkzeug um die Komplexität der Welt in der wir uns bewegen so zu strukturieren, dass wir Muster erkennen und handlungsfähig werden. Dabei sind Theorien vergleichbar mit Brillen, die wir aufziehen. Je nach Situation kann man mit Hilfe einer Brille die Dinge besser oder schlechter sehen. Eine Lupenbrille ist für das Skifahren sehr unpraktisch und die Sonnenbrille für das Schwimmbad. Aber wenn wir die richtige Brille in der richtigen Situation aufziehen, dann hilft sie uns enorm!
Ich bin davon überzeugt, dass es nicht die eine richtige Theorie gibt. In den letzten Jahren habe ich aber immer wieder die Erfahrung gemacht, dass der systemische Blick in vielen Situationen zieldienlich sein kann. Aber was genau bedeutet jetzt ‚systemisch‘?

Ein kurzer Blick in die Geschichte: Mitte der 1950er Jahre haben sich einzelne Berater und Therapeuten über die damals vorherrschende Idee der Einzeltherapie hinweggesetzt und begonnen Bezugspersonen in die Behandlung miteinzubeziehen. Die Erfahrungen waren oft Überraschend: Symptome und Verhalten, das bisher als bizarr und unverständlich erschien, konnten plötzlich als sinnvolles Verhalten in einem besonderen Kontext verstanden werden. Der Kontext, die sozialen Systeme in denen wir uns bewegen spielt plötzlich für die Lösung von Problemen eine hervorgehobene Rolle.

Im Rahmen von systemischer Arbeit nehme ich die Menschen immer im Zusammenhang ihrer jeweiligen Bezugssysteme (Unternehmen, Familie, Schule etc.) wahr. Gemeinsam mit meinen Klientinnen und Klienten suche ich nach Mustern in diesen Systemen, nach Ausnahmen, nach Möglichkeitsräumen, nach Strategien für alternatives Handeln und Lösungen. Die Experten sitzen dabei immer vor mir – meine Klientinnen und Klienten kennen die Systeme in denen sie sich bewegen so gut, wie ich es nie können werde.
Wirklichkeit, so die Vorstellung von uns Systemikern, wird immer gemeinsam in kommunikativen Prozessen konstruiert. Wir einigen uns in unseren Familien, Unternehmen und Gesellschaften auf das was wahr und richtig ist. Gemeinsam erzeugen wir Bedeutung und Sinn. Manchmal ist es also gar nicht nötig die Welt oder die Menschen um uns herum zu ändern, manchmal reicht es schon unsere Sichtweise auf die Dinge zu verändern und die Welt beginnt plötzlich sich zu verwandeln.
Meine ganze Arbeit verstehe ich als ein Angebot. Aus einer Haltung der Wertschätzung und der Achtung begleite ich Menschen dabei ihre Systeme besser kennen zu lernen und neue Möglichkeiten für Denken und Handeln zu entwickeln. Ich weiß nicht was gut und richtig ist, aber gemeinsam finden wir raus, was zieldienlich ist. Dabei bestimmt das Ziel die Klientin oder der Klient. Mit einer forschenden Haltung finden wir raus was funktioniert. Und was funktioniert ist gut!

So würde ich kurz und knapp die Brille beschreiben, durch die ich auf die Welt und meine Arbeit sehe.

Einen etwas ausführlicheren Einblick in den systemischen Ansatz und die unterschiedlichen Praxisfelder gibt diese Broschüre der Systemischen Gesellschaft.

 

Photocredit: 85Fifteen on Unsplash

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